Windows Azure Storage – Überblick und Kosten

Milen KoychevMicrosoft Azure

Mit Windows Azure bietet Microsoft einen kompletten Platform as a Service (kurz: PaaS) Stack, also Cloud Computing als Entwicklungsplattform. Im Gegensatz zu Software as a Service (SaaS) Lösungen wie SharePoint Online oder andere Komponenten aus dem Office 365 Angebot wird hier kein fertiges Produkt, sondern eine Plattform für Lösungen geboten. Windows Azure wird deshalb auch treffend als Cloud Betriebssystem bezeichnet.

Windows Azure besteht aus mehreren Services, einer dieser Services ist Windows Azure Storage. Windows Azure Storage bietet, wie der Name vermuten lässt, Speicherplatz in der Wolke.

 

Welche Funktionen bietet Windows Azure Storage?

In Windows Azure Storage gespeicherte Daten liegen in Microsofts weltweit verteilten Datenzentren. Hierbei kann der Kunde selbst definieren, in welchem Datenzentrum seine Daten gespeichert werden. Für den Kunden entfällt das komplette Management der Infrastruktur, der Kunde erhält einen theoretisch unendlich großen Datenspeicher in der Cloud und zahlt dabei nur, was er in Anspruch nimmt. 
Alle Daten werden dabei automatisch dreifach auf physikalisch getrennte Systeme repliziert. So stellt Microsoft auch im Worst Case sicher, dass keine Daten verlorengehen.

Es werden vier Dienste in Windows Azure Storage angeboten:

  • Binary Large Object (BLOB) Service
    Mit BLOB wird die Speicherung von Daten in Form von binären Objekten bezeichnet, also beispielsweise ein Bild in einer PNG Datei oder ein Text mit Formatierung in einer DOCX (Word) Datei. Praktisch entspricht dies der Speicherung von Daten in einem Dateisystem
  • Table Service
    Sollen nicht Datencontainer wie Bilder oder Dokumente sondern Daten wie beispielsweise Messwerte gespeichert und abgerufen werden, bietet der Table Service, die Daten in einer leichtgewichtigen Datenbank zu speichern.
  • Queue Service
    Die zuverlässige, asynchrone Kommunikation von Softwarelösungen, die auf Windows Azure laufen, wird mit dem Queue Service ermöglicht. So kann eine Anwendung, die im Vordergrund läuft, mit einer reinen Rechenanwendung zuverlässig kommunizieren.
  • Windows Azure Drive
    Das einbinden einer zuvor hochgeladenen VHD im NTFS Format in der Cloud, wird mit Windows Azure Drive ermöglicht. Dieser Service erleichtert vielfach Migrationsszenarien, da so lokale Dateisystemzugriffe in der Wolke imitiert werden können.
  • Gerade für Lösungen, die nicht nur in einem beschränkten regionalen Raum genutzt wird, kann durch die Integration des Content Delivery Network (CDN) in Azure Storage ein Mehrwert gebildet werden. Das CDN ermöglicht Zugriffe auf Daten in Abhängigkeit von der regionalen Nähe des Clients zu einem Datenzentrum. Konkret können Daten in mehrere Datenzentren repliziert werden und der Nutzer/Client bekommt die Daten aus dem Rechenzentrum, welches ihm am nächsten liegt.

    Der Zugriff auf Windows Azure Storage ist nicht auf Anwendungen in Azure beschränkt. Über ein RESTful API ist die Verwendung aus nahezu jeder Plattform und Programmiersprache möglich.

    Für welche Zwecke kann ich Windows Azure Storage einsetzen?

    Der Name Windows Azure Storage zeigt es offensichtlich, es geht um die Speicherung von Daten. Ziel ist hier jedoch nicht Privatpersonen Speicherplatz anzubieten (hierfür bietet Microsoft bekanntlich SkyDrive), sondern einen skalierbaren Datenspeicher in der Cloud für professionelle Anforderungen anzubieten. 

    Warum ist dies in dieser Form erforderlich? natürlich greifen hier die bekannten Argumente für Cloud Computing:

    • Skalierbar
    • Flexibel
    • Kein Management der Hardware/Infrastruktur erforderlich
    • Keine Hardwareanschaffung, Bilanzierung, Abschreibung
    • usw.

    Außerdem ergeben sich im Cloud Computing neue Anforderungen an die Datenspeicherung.
    Eine lokale Anwendung schreibt ihre Daten meist auf eine lokale Festplatte. Cloud Computing Lösungen profitieren jedoch von Replikation. Eine Anwendung wird nicht 1-mal auf 1-Server ausgeführt, sondern kann 1-n mal auf 1-n Server ausgeführt werden, wobei n die dynamische Stellschraube ist. Das Schreiben auf die lokale Festplatte ist in den meisten Cloud-Anwendungsfällen nicht sinnvoll, da die anderen Instanzen die geschriebenen Daten nicht lesen können und somit jedes Replikat auf seiner eigenen Dateninsel arbeitet. Außerdem kann eine fehlerhafte Instanz durch ein Replikat ersetzt werden, lokal gespeicherte Daten sind dann verloren.

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    Mit Windows Azure Storage wird genau diese Problem adressiert, es bietet einen zentralen Datenspeicher für verteilte oder replizierte Anwendungen in Windows Azure.image

    Gehen die Anforderungen an die Datenhaltung über die Services des Windows Azure Storage hinaus, bietet Microsoft auch noch mit SQL Azure ein Datenbank Management System als Cloud Lösung.

    Kosten (Stand: 2011-11-20, ohne Gewähr)

    Die Kosten für Azure Storage sind abhängig von dem durchschnittlich gespeicherten Datenmenge pro Tag gerechnet für einen Monat.

    Beispiel: Ein Kunde speichert einen Tag lang 30 GB in Azure Storage, berechnet wird 1 GB. Speichert der Kunde die 30 GB für den kompletten Berechnungszeitraum, werden 30 GB berechnet.

    Zusätzlich ist eine transaktionsabhängige (lesen, schreiben, löschen) Gebühr zu leisten, somit setzt sich die Summe aus den folgenden beiden Komponenten zusammen:

    Preise (in USD)

    1 Gigabyte im monatlichen Durchschnitt 0,14 USD
    10.000 Transaktionen 0,01 USD

    Beispielrechnung für Speicherung  von 5 Gigabyte bei 1.000.000 Transaktionen: 5×0,14 + 100×0,01 = 1,70 USD/Monat.
    Zzgl. Datentransfer (eingehender Datentransfer wird nicht berechnet) von 0,15 USD per GB.

    Die Beispielrechnung basiert auf den bei der Erstellung dieses Textes gültigen Preisangaben von Microsoft. Microsoft bietet auch eine Silverlight Anwendung, mit der eine schnelle Kalkulation der Kosten möglich wird (Link).