Windows Phone 7 – ein Überblick

Milen KoychevWindows Phone

Gestern hat Microsoft die Fertigstellung seines neuen Betriebssystems Windows Phone 7 bekannt gegeben. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies sei kein großer Sprung, denn die letzte Version von Microsofts mobilen Betriebssystem lautete ja Windows Mobile 6.5.

Bei genauerem Betrachten stellt man schnell fest, dass Windows Phone 7 sich nicht nur durch den neuen Namen von Windows Mobile unterscheidet. Microsoft hat mit Windows Phone 7 eine komplett neue Plattform auf den Weg gebracht, wie der Nachrichtendienst CNET feststellt:

“Microsoft essentially pressed the restart button and worked with a team of designers to create a mobile operating system based a number of principles, including elegance and simplicity, typography, motion, and relevance”

Im Gegensatz zu Windows Mobile versucht Microsoft bei Windows Phone 7 nicht, die Desktop-Metapher auf mobile Geräte zu bringen. So ist es bei Windows Phone 7 auch nicht mehr erforderlich, die inzwischen nicht mehr zeitgemäßen Eingabestifte zu verwenden; alle Oberflächen können durchgehend per Touch-Oberfläche bedient werden.

Einheitliche Geräte

Doch nicht nur bei der Oberflächennutzung fährt Microsoft einen neuen Ansatz. Bei Windows Mobile wurden den Herstellern relativ viele Freiräume zugestanden, was die Leistung, Ausstattung und Ausmaße der Geräte anging. Der aus der Vielfalt resultierende Nachteil liegt bei der Begrenzung in der Anwendung-Entwicklung (oder „App“-Entwicklung) auf das kleinste, garantiert verfügbare Maß. Bisher konnte man bei einem Windows Mobile Gerät als Entwickler nicht davon ausgehen, dass ein Gerät über GPS, eine Kamera oder eine bestimmte Bildschirmauflösung verfügt. Diese Beschränkung umgeht Microsoft nun dadurch, dass sie den Herstellern von Windows Phone 7 Telefonen restriktive Vorgaben auferlegt, was ein Telefon mindestens unterstützen muss:

  • Kapazitiver Touchscreen mit mindestens 4 Multitouch-Berührungspunkten
  • Ein Display mit einer Auflösung von 800×480
  • ARM v7 "Cortex/Scorpion" Prozessor (oder besser)
  • DirectX9 Unterstützung
  • Mindestens 256MB Arbeitsspeicher, mindestens 8GB Flash Speicher
  • A-GPS, Beschleunigungssensor, Kompass, Helligkeitssensor, Annäherungssensor
  • 5-Megapixel Kamera mit Blitz
  • 6 Hardware Buttons
    • Zurück
    • Start
    • Suche
    • Kamera
    • An/Ruhemodus
    • Lauter/Leiser Wippe

Jedes Windows Phone 7 wird diese Anforderungen erfüllen müssen und entsprechend können diese Gerätefunktionen bei der Entwicklung von Anwendungen als vorhanden vorausgesetzt werden. Die Hersteller werden versuchen, sich auf Basis dieser Vorgaben voneinander abzugrenzen und Mehrwerte durch Ihre Geräte zu definieren. Wir sind gespannt, wie sich die Hersteller voneinander abgrenzen werden.

Neue Oberflächen

Auch das Entwicklungsmodel hat sich grundlegend geändert. Wurden für Windows Mobile die Anwendungen noch mit den wenig ansprechenden .NET Compact Framework Oberflächen entwickelt, kommt nun Microsofts XML basierter Flash Konkurent Silverlight in der Version 3 zum Einsatz. Durch den Einsatz von Silverlight lassen sich beeindruckende Oberflächen nach modernen Programmierparadigmen entwickeln. Zusätzlich lassen sich Grafikintensive Anwendungen wie Beispielsweise Spiele, mittels XNA umsetzen, auch dies wird von Windows Phone 7 unterstützt.

Entwicklung von Anwendungen

Eigene Anwendungen lassen sich für Windows Phone 7 mit der Programmiersprache C’# auf Basis von .NET entwickeln. Als Entwicklungsumgebung kommt das Visual Studio zum Einsatz. Durch das einheitliche Programmiermodell ist eine optimale Integration mit bestehenden .NET Lösungen möglich.

Ein Wehrmutstropfen bleibt; denn für Windows Mobile entwickelte Software kann nicht ohne weiteres auf Windows Phone 7 ausgeführt werden. Eine Portierung ist aber grundsätzlich möglich und im Einzelfall zu prüfen.

Natürlich bietet Microsoft auch einen Appstore, aus dem bequem und sicher Anwendungen auf das Gerät geladen werden können.

Business Einsatz

Aber auch Microsofts eigentliche Stärke im mobilen Segment wurde nicht außer Acht gelassen. Neben den zeitgemäßen Oberflächen und vielfältigen Multimedia Funktionen werden die Anforderungen für Business Anwender berücksichtigt oder wie Microsoft es selbst sagt: Windows Phone Means Business.
Natürlich integriert sich Windows Phone 7 nahtlos in bestehende Windows Umgebungen. Die Anbindung mehrerer Exchange Accounts ist selbstverständlich. Software zum Betrachten, Kommentieren und rudimentären Bearbeiten von Office Dokumenten und OneNote liefert Windows Phone 7 mit. Durch den SharePoint Workspace Mobile Client ist der Zugriff auf Daten in SharePoint komfortabel mobil möglich. Spezialisierte Anwendungen bieten die Möglichkeit, die besonderen Bedürfnisse eines Unternehmens abzudecken.

Fazit

Windows Phone 7 löst das nicht mehr zeitgemäße Windows Mobile ab. Ansprechende Oberflächen, die durchgehend per Touch bedienbar sind, ermöglichen eine konsequente Mobile User Experience. Die strikten Hardwareanforderungen ermöglichen umfassendere Lösungsszenarien und spannende Apps. Auch den Business Anwender hat Microsoft nicht aus dem Fokus gelassen, durch die mitgelieferte Software ist Windows Phone 7 auch für den Business Einsatz interessant.

Noch sind nicht alle Details bekannt und es ist wohl mit einigen Ankündigungen bis zur Markteinführung der ersten Geräte zu rechnen. Microsoft hat scheinbar seine Hausaufgaben gemacht und eine zeitgemäße mobile Plattform geschaffen, die in den meisten Punkten mit Apples iOS und Googles Android mithalten kann.