Windows 10 – Ein fundamentaler Sprung zur Einheitlichkeit

Milen KoychevCloud Computing, Mobility

Nach Windows XP gab es viele Ansätze und unterschiedliche Pfade auf denen Microsoft versuchte den Weg zur nächsten Version seines Betriebssystems zu finden. Mit Windows 10 scheint der Kurs für ein Betriebssystem in einer heterogenen Welt gefunden.

Geräte über alles
Hersteller von Betriebssystemen haben es heutzutage nicht leicht. Immer mehr Geräte mit unterschiedlichsten Dimensionen erscheinen auf dem Markt oder kommen direkt aus dem eigenen Hause. Doch die Rechenleistung dieser Geräte ist längst mit Spielekonsolen und Desktop-Computern der letzten Generationen vergleichbar. Damit stellt sich schnell die Frage, ob man nicht ein einheitliches Betriebssystem für alle Geräte entwerfen kann, damit der Aufwand für die eigene Entwicklung und für die App-Entwicklung geringer ist. Eine Applikation, die auf allen Geräten läuft, wäre sicherlich aus Sicht der Softwarewareentwicklung mehr als erstrebenswert. Einzig die Gestaltung der Oberflächen und der Benutzbarkeit aus Anwendersicht wären dann noch Punkte, die bedacht werden müssten, da jedes Gerät eine andere Steuerung und Darstellung der Informationen bereitstellt. Mit Windows 8 versuchte Microsoft das erste Mal diesen Weg einzuschlagen und ein für Tablets optimiertes Betriebssystem mit Elementen des Smartphone-Betriebssystems, auch auf dem Desktop, bereitzustellen. Dies führte zu einer sehr polarisierten Meinung bei Anwendern und Unternehmen, woraufhin Microsoft einlenken und einiges nachbessern musste. Mit Version 8.1 ging es dann schon weiter in Richtung größerer Akzeptanz und auch in Firmen und auf Entwickler-PCs fasste das Betriebssystem Fuß.

Abstand schaffen
Windows 10 ist der Name der nächsten Betriebssystemversion nach Windows 8.1. Damit überspringt Microsoft bewusst die Nummer neun. Dies schafft bereits sprachlich eine Distanz, welches eine objektivere Neubetrachtung der Inhalte erlaubt. „Windows 10 ist nicht einfach ein neues Betriebssystem, sondern ein fundamentaler Sprung in eine neue Generation“ – verkündetet Microsoft-Chef Satya Nadelia auf dem Microsoft Technical Summit 2014 an der TU Berlin. Aus Marketing- und Produktsicht ist Windows 10 eine Produktfamilie, eine Plattform und ein Store. Somit scheint zumindest auf den ersten Blick das Ziel von einer einheitlichen Plattform erreicht worden zu sein. Doch kann das zukünftige Produkt auch halten, was es verspricht? Was macht das neue Betriebssystem für einen Eindruck in der technischen Vorschauversion?

Auf den ersten Blick
Mit einem Klick auf das Windows-Logo in der Desktop-Ansicht öffnet sich das Startmenü mit einer auffallenden Neuerung. Kacheln wurden in das Menü integriert und können dort auch entsprechend dynamisch angeordnet werden.

Desktop

Mit einem weiteren Klick auf eine der Kacheln, welche eine App aus dem Windows Store startet, steht die nächste positive Überraschung bereit. Die Apps lassen sich nun auch in der Desktop-Ansicht verwenden und sogar minimiert darstellen, damit ist das Verhalten, den normalen Programmen sehr ähnlich geworden.

Wetter

Da sich nun alle Apps auch minimiert darstellen und in der Größe variieren lassen, gibt es eine Vielzahl neuer Möglichkeiten die Apps in seinen Arbeitsalltag und in die Aufteilung auf dem Desktop zu integrieren. Dabei fällt sicherlich dem einen oder anderen Anwender das geliebte Feature des sogenannten Snap-Views ein. Damit lassen sich schnell die Fenster im linken und rechen Rand des Bildschirms anordnen bzw. auch das jeweilige Programm schnell in den Hintergrund werfen oder auch bildschirmfüllend darstellen. Dieses tolle Feature wurde nun erweitert, so dass zusätzlich eine Vierteilung des Desktops möglich ist.

Snapview

Übersichtlichkeit und Fokussierung sind ein hohes Gut im Arbeitsalltag. Mit der neuen Snap-View-Erweiterung ist hier ein wichtiges neues Element verfügbar, welches den Tag erleichtern dürfte. Eine noch größere Steigerung der Effizienz ist durch die Einführung der, bereits lange aus der Unix/Linux und Mac Welt bekannten, virtuellen Desktops gelungen.

VirtuelleDesktops

Unter Windows 10 lassen sich nun auch mehrere Desktops nebeneinander eröffnen. Dadurch kann man beispielsweise auf einem Desktop die PowerShell offen haben und auf dem anderen die technischen Dokumentationen. Oder auf einem Desktop die geschäftlichen Applikationen offen halten und auf dem nächsten die privaten Inhalte für die Mittagspause oder die Reise im Zug nach Hause. Auch der Internet-Explorer lässt sich in mehreren Desktops öffnen, wodurch selbst auf dieser Ebene eine inhaltliche Trennung erreicht werden kann. Semantisch zusammengehörige Tabs können also in einer Instanz des Internet Explorers auf einem virtuellen Desktop gruppiert werden. Innerhalb eines Desktops werden die Anwendungen, welche auf einem anderen virtuellen Desktop geöffnet sind, mit einem Balken unter dem Programm-Icon in der Taskleiste dargestellt. So hat man eine Übersicht, welche Programme gerade alle ausgeführt werden. Virtuelle Desktops sind ein schönes, nützliches und längst überfälliges Feature.

VirtuelleDesktops2

Wer sucht, der findet heißt es bekanntlich. Microsoft fand es ideal die Suche in die Taskleiste zu integrieren. Von dieser neuen Suche aus können besonders gut die zuletzt verwendeten Dokumente und Dateien ausfindig gemacht werden. Ferner ist eine Suche im Internet inklusive und die Resultate aus dem Web werden entsprechend gekennzeichnet.

Suche

Suche2

Business Features
Neben den vielen positiven Aspekten für den privaten Anwender, gibt es natürlich auch Eigenschaften, welche die Unternehmen ansprechen.
In puncto Sicherheit wurde beispielsweise die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) über Smartcards und Token in das Betriebssystem integriert. Neben der weiterhin vorhandenen Bitlocker-Verschlüsselung bietet Windows 10 eine Sicherheitsschicht auf Dateiebene, welche die Daten auch dann schützt, wenn Sie das Gerät verlassen. Wie diese Sicherheitsschicht im Detail endgültig implementiert sein wird bleibt noch offen. Sicherlich wird es ein sehr genau untersuchtes Feature werden, welches auch richtungsweisend für andere Cloud-Dienste sein könnte. Vermutlich wird es in Richtung Active Directory-Rechteverwaltungsdienste bei der Umsetzung gehen. Festzuhalten bleibt, wenn dieser Schutz auf Dateiebene schlank und sicher umgesetzt wird, dann ist der Ansatz, dass die Sicherheit den Daten folgt, eine sehr große positive Neuerung. Die Sicherheit folgt dann den Daten und die Daten dem Nutzer.
Apropos Daten die folgen: OneDrive und OneDrive Business werden zukünftig verschmelzen. Vermutlich werden die lokalen Platzhalter verschwinden. Diese Platzhalter symbolisierten bisher die nicht wirklich physikalisch vorhandenen (synchronisierten) Dateien. Damit hatte man zwar einen Überblick über die Daten, die Online verfügbar waren, jedoch nicht unbedingt immer alle wichtigen Dateien beim Kundentermin dabei. Dies hatte den Grund, dass nur der Platzhalter im Windows Explorer erblickt wurde bevor man sich auf den Weg gemacht hat. Zukünftig wird es wohl, wie bei vielen anderen Cloud-Diensten auch, nur noch eine komplette Synchronisation oder eine Synchronisierung von vorher selektierten Ordnern geben. Man könnte es mit dem Akronym WYSIWYH (What you see is what you have) beschreiben.

Das große Continuum und die Verwaltung
Sie sitzen an Ihrem Schreibtisch, der Kollege steckt seinen Kopf durch die Tür und ruft Sie zum nächsten Meeting. Sie docken Ihren hybriden Laptop aus und klemmen sich das praktische Tablet unter den Arm. Wenn Sie nun noch ein Windows 10 als Betriebssystem installiert haben, dann wird diese Veränderung registriert und das Betriebssystem fragt bei Ihnen höflich nach, ob die Ansicht auf eine für Tablets optimierte Darstellung wechseln soll. Das ganze hat den Namen „Continuum“ bekommen und ist eine umgebungsbasierte, automatische UI-Anpassung, welche das Berufsleben ein Stück einfacher machen soll.
Bezüglich des Gerätemanagements unterstützt Windows 10 als ein Wanderer zwischen den Geräten Mobile Device Management (MDM) Werkzeuge und ebenso Active Directory und System Center Ansätze zur Verwaltung der Endgeräte innerhalb des Unternehmens. Damit bietet das neue Betriebssystem für alle Unternehmensgrößen eine passende Lösung zur Verwaltung an.

Update ist nicht gleich Update
In Windows 10 wird es zwei Update-Pfade geben. Nutzer von Ubuntu kennen diese Art der Separation von Updates. Ein Pfad ist für Server und Workstations geeignet, da nicht die neuesten Features und Oberflächenanpassungen aktualisiert werden. Der andere Pfad ist an die Desktops und mobilen Endgeräte adressiert. Hier haben Aktualität und Funktionalität Vorrang vor der Stabilität. Generell eine sehr sinnvolle neue Möglichkeit die unterschiedlichen Systeme aktuell und stabil zu halten. Unterschiedliche Geräte und deren mannigfaltige Aufgaben verlangen schon beinahe unterschiedliche Update-Pfade. Daher Daumen hoch für diesen Entschluss.

Fazit und der nächste Bitte
Windows 10 wird sicherlich ein sehr heißer Kandidat für eine Migration von bestehenden Windows XP und Windows 7 Systemen sein. Microsoft hat mit der technischen Vorschau einen guten evolutionären Schritt in Richtung eines Betriebssystems begonnen. Ob es ein fundamentaler Sprung wird, wie es Microsoft-Chef Satya Nadelia angekündigt hat, bleibt abzuwarten. Denn dazu müssen die tollen neuen Features und Ideen mit der entsprechenden Leichtigkeit daherkommen. Potential hat das Betriebssystem allemal und die Stabilität der technischen Vorschau kann sich auch sehen lassen. Drücken wir also Microsoft die Daumen, eine unternehmenskompatible und universelle Plattform für Apps und Geräte mit Windows 10 erschaffen zu können. Dies wäre gerade in der Konkurrenz zu Apple ein wichtiger Schritt, denn dort hat man zwar ebenfalls diesen Weg eingeschlagen, nur ist man noch nicht auf der Betriebssystemebene angelangt.

Damit die neuen Features nicht nur eine Aufzählung bleiben, biete ich Ihnen auch an, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Kontaktieren sie mich gerne. Auf Wunsch stelle ich Ihnen einen Zugang zu der technischen Vorschauversion aus diesem Beitrag zur Verfügung.